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Monitoring und Schadprognose

Trotz vorbeugender Maßnahmen kann und kommt es immer wieder zur Massenvermehrungen von nadel- und blattfressenden Schadinsekten. Die Überwachung der Schädlingsdichten ist Grundlage des Risikomanagements in den Wäldern. Ziel ist es, die Wälder zu identifizieren, für die durch das massenhafte Auftreten von nadel- und blattfressenden Insekten mit massiven Fraßschäden und folgend flächigen Baumverlusten gerechnet werden muss. 

Das Monitoring folgt standardisierten, mehrstufigen und artspezifischen Verfahren. In der Regel unabhängig von der Befallssituation wird ein Basismonitoring durchgeführt. Das findet routinemäßig, jährlich in einem groben Raster auf der gesamten potentiell gefährdeten Fläche statt. 

Ein erweitertes Monitoring erfolgt nur, wenn beim Basismonitoring arttypische Schadschwellen überschritten, also hohe Populationsdichten erreicht werden. Die nächsten Schritte des Monitorings konzentrieren sich dann nur noch auf die gefährdeten Flächen. Gleichzeitig wird das Raster verdichtet. Die Abbildung zeigt die wichtigsten Monitoringverfahren für bedeutende Kiefernschadinsekten im Land Brandenburg.

Beispiele für mehrstufige Monitoringverfahren in Brandenburg

 Das Basismonitoring ist in blau dargestellt. Nur wenn die Schwellenwerte (orange) überschritten werden, findet das erweiterte Monitoring (gelb) statt.

Basismonitoring

Ein typisches Verfahren für ein Basismonitoring ist der Einsatz von Sexuallockstoffen (Pheromone), um die männlichen Falter von z. B. Nonne oder Schwammspinner in spezielle Fallen zu locken. Die Fallen werden während des Falterfluges in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel einmal pro Woche) geleert und die Falterzahl an die jeweils zuständige Waldschutzstelle gemeldet. Die Zahl der gefangenen Falter gibt Aufschluss darüber, ob mit einer beginnenden Massenvermehrung zu rechnen ist. Werden je nach Art festgelegte Schwellenwerte überschritten, geht das Monitoring in die nächste Stufe. Ein weiteres typisches Verfahren bei der Überwachung von Kiefernbeständen ist die Winterbodensuche. Hier werden die Überwinterungsstadien (Kokons, Raupen, Puppe) in der Bodenstreu gesucht, um Ausschluss über die Populationsdichte im kommenden Jahr zu erhalten.

Beispiele

Winterbodensuche in Kiefernbeständen

Viele Schadinsekten in Kiefernwälder überwintern im Bodenstreu; die Kiefernbuschhornblattwespen im Kokon, der Kiefernspinner als Raupe, Kiefernspanner und Forleule als Puppe. Der Vorteil des Verfahrens ist, dass diese Schadinsekten mit einer Suche gleichzeitig erfasst werden können. Außerdem werden Puppen und Kokons im Labor untersucht. So kann man ermitteln, ob diese vital (gesund) sind oder vielleicht auch parasitiert. Damit ist eine wesentlich genauere Bestimmung der Fraßgefährdung möglich. Solche ökologischen Informationen sind wichtige Hinweise für Entscheidungen zu Pflanzenschutzanwendungen. 

Die Grafik zeigt alle 2061 Standorte in Brandenburg, an denen 2021 eine Winterbodensuche durchgeführt wurde. Insgesamt sind es somit 20.610 einzelnen Flächen an denen nach den Überwinterungsstadien von Kiefernschadinsekten gesucht wurde.

 

Waldarbeiter bei der Winterbodensuche (Foto Andreas Neumann)

Hier finden Sie ein Erklärvideo zum Ablauf der Winterbodensuche vom Landesbetreib Forst Brandenburg.

 

Pheromonfallen

Eine weitere Methode für die Überwachung von Populationsdichten ist die Nutzung von Fallen, die mit Lockstoffen, meist Sexualhormonen bestückt sind. Die Verfahren werden zum Beispiel für die Nonne in Kiefern- und Fichtenwäldern und für die Überwachung des Schwammspinners genutzt. 

Bild einer Pheromonfalle in einem Kiefernbestand, zur Überwachung der Populationsdichte der Nonne. (Foto Katrin Möller)

Erweitertes Monitoring

Ziel ist, die Wälder zu identifizieren, für die durch das massenhafte Auftreten von nadel- und blattfressenden Insekten mit massiven Fraßschäden und folgend flächigen Baumverlusten gerechnet werden muss. Als erste Stufe des Monitorings wird das Vorkommen von nadel- und blattfressenden Schadinsekten in potenziellen Schadgebieten landesweit erfasst. Werden hier artspezifische Schwellenwerte überschritten, folgt die 2. Stufe des Monitorings. Dabei wird neben den Schadinsektendichten auch immer die Situation der natürlichen Gegenspieler erfasst. Dazu zählen die Parasitierungsraten von Eiern, Larven oder Puppen der Schadinsekten. Da bekannt ist, dass bestimmte Parasitoide eine Massenvermehrung von Forstschadinsekten u. U. abrupt beenden können, wird im Vorfeld von geplanten PSM-Einsätzen immer ganz konkret nach Belegen für solche natürlichen Ereignisse gesucht. Ein deutlicher Anstieg von Nützlingen auf der Fläche, deren Einfluss vor eintretendem Kahlfraß wirksam werden kann, spricht in jedem Fall gegen einen PSM-Einsatz.  Anhand der Ergebnisse des Monitorings erfolgt eine Kahlfraßprognose durch nadel- und blattfressende Schadinsekten für die betroffenen Waldgebiete. Auf Grundlage einer Kahlfraßprognose wird entschieden, ob und welche weiteren Maßnahmen eingeleitet werden.

Beispiel Monitoring der Nonne in Brandenburg

Für die Basisüberwachung der Nonne werden Pheromonfallen genutzt (Siehe Abbildung oben). Mittels eines Sexuallockstoffes (Pheromon) werden männlichen Falter der Nonne angelockt und gefangen. Jährlich werden über 300 dieser Fallen im Land Brandenburg verteilt. Über mehrere Sommerwochen werden die Fallen wöchentlich geleert und die Falter gezählt. Die Zahl der gefangene Falter gibt Aufschluss über die Populationsdichte der Nonne. Ein Anstieg bei den Falterfängen ist ein guter Indikator einer beginnenden Massenvermehrung. Bei mehr als 900 (Zahl ist abhängig vom genutzten Lockstoff und kann in anderen Bundesländern abweichen) Faltern pro Falle beginnt das erweitere Monitoring. Im ersten Schritt des erweiterten Monitorings werden im folgenden Sommer Zählstämme in den betroffenen Gebieten aufgestellt und auch über mehrere Wochen die Anzahl der weiblichen Falter gezählt. Wenn bei diesem Schritt ebenfalls eine hohe Populationsdichte beobachtet wird, geht das Monitoring einen Schritt weiter und es werden im folgenden Herbst die abgelegten Eier an den Kiefernstämmen gezählt. Zusätzlich wird die Vitalität der Eier geprüft, da nur aus vitalen Eiern auch Raupen schlüpfen. Die Zahl der Eier gibt Ausschluss über die zu erwartende Raupendichte pro Baum. Mit diesem Wissen kann gut abgeschätzt werden, wieviel Nadelmasse die Raupen fressen werden und somit eine Schadprognose erstellt werden.

Im Jahr 2017 wurden 314 Pheromonfallen in Brandenburg verteilt. In einigen Gegenden lagen die Falterzahlen über oder dicht am Schwellenwert, weshalb im Folgejahr 71 Zählstammgruppen eingerichtet wurden. An vielen Stellen wurden auch hier die kritischen Zahlen überschritten. In der Folge fanden im Herbst 2018 an 339 Standorten Eisuchen statt. Nur an wenigen Stellen wurden bei der Eizählung noch kritische Populationsdichten erkannt.